Logo - Anna Evers
a
 

In zehn Tagen wird gewählt. Vielleicht bist du gerade dabei, deinen Alltag zu jonglieren – Job, Kinder, Rechnungen, vielleicht noch schnell ein Wochenende planen. Und dann plötzlich ist der 24. Februar 2025. Ein Morgen, an dem wir aufwachen und feststellen könnten, dass wir die letzten Jahre vergeblich gehofft, diskutiert und gewarnt haben. Ein Morgen, an dem sich das Land, das wir kennen, in eine Richtung bewegt, aus der es kein einfaches Zurück mehr gibt.

Der Gedanke daran lähmt mich. Und er macht mich unendlich wütend.

Flucht ist der erste Impuls – aber sie kommt mit einem Preis

Mein erster Impuls war: Ich muss weg. Raus hier. Ich habe recherchiert, bis ins kleinste Detail. Wie würde eine Auswanderung nach Dänemark funktionieren? Welche Behördengänge sind nötig? Wo könnten wir wohnen? Wie finanziere ich das? Ich habe mir die Möglichkeiten durchgerechnet, habe Listen geschrieben, mich informiert, wie andere Familien diesen Schritt gegangen sind.

Ich will nicht lügen: Der Gedanke daran, meine Kinder vor einem möglichen faschistischen Regime zu schützen, indem ich sie aus diesem Land bringe, ist verführerisch. Denn wer von uns will in einer Gesellschaft leben, in der Demokratie, Menschenrechte und Vielfalt unter Beschuss stehen?

Aber dann kommt die zweite Welle: Wut.

Wenn wir gehen, wer bleibt dann noch?

Denn wenn wir alle gehen, wenn all diejenigen, die sich für Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Demokratie einsetzen, das Feld räumen – was bleibt dann übrig? Dann lassen wir ein Land zurück, das in die Hände derjenigen fällt, die sich schon lange darauf vorbereiten, es für sich zu beanspruchen.

Diejenigen, die es sich bequem gemacht haben mit ihrer Propaganda, mit ihren Feindbildern, mit ihrer Politik der Ausgrenzung und Entmenschlichung. Diejenigen, die mit einem simplen Weltbild auf Stimmenfang gehen, indem sie so tun, als gäbe es einfache Lösungen für komplexe Probleme. Diejenigen, die Angst schüren, weil sie wissen, dass Menschen sich in der Angst eher unterordnen als aufstehen.

Und genau das ist der Punkt, an dem ich merke:
Flucht kann nicht die Antwort sein.

Das Feld gehört nicht den Faschisten – es gehört uns

Ich kann nicht mit ansehen, wie dieses Land sich denen ergibt, die es hassen. Die es zurück in eine Zeit zwingen wollen, die wir eigentlich überwunden haben sollten. Die mit konservativem Rückwärtsgang und faschistischer Energie eine Gesellschaft bauen wollen, in der meine Kinder aufwachsen sollen – als ob das normal wäre.

Ich kann es nicht hinnehmen, dass meine Stimme verschwindet, weil ich das Gefühl habe, ohnehin nichts mehr tun zu können.
Denn genau das ist es, worauf sie setzen:
Dass wir aufgeben. Dass wir uns entmutigen lassen. Dass wir das Gefühl haben, es bringt doch alles nichts.

Jetzt ist der Moment, die Schultern breit zu machen

Es ist nicht fünf vor zwölf. Die Uhr hat längst geschlagen, und wir haben uns entschieden: Wir stehen.

Wir lassen uns nicht wegdrängen. Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir lassen uns nicht zum Verstummen bringen.

Wir sind der Gegenpol.

Und egal, wie laut die anderen sind, wie sehr sie versuchen, mit Lügen und Hetze das Klima zu vergiften – wir stehen hier. Mit Rückgrat, mit Mut, mit Überzeugung.

Denn wenn nicht wir – wer dann?
Und wenn nicht jetzt – wann dann?

Was jetzt zählt? Wählen. Und nicht schweigen.

Es gibt keinen neutralen Standpunkt in dieser Wahl. Es gibt kein „Ich bin politisch nicht so interessiert“. Es gibt keine Ausrede mehr.

Wir stehen an einem Punkt, an dem sich entscheidet, ob dieses Land in eine Zukunft geht, die für alle da ist – oder ob wir zulassen, dass es für viele zur Bedrohung wird.

Also: Sprich darüber. Erkläre. Diskutiere.
Und vor allem: Geh wählen.

Denn am Morgen danach will ich nicht aufwachen und denken: Ich hätte mehr tun können.